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Auerwild im Frühling - Balzzeit

Mit dem Frühlingsbeginn in der zweiten Märzhälfte und den nun länger werdenden Tagen werden auch die Hahnen unruhig, die Balz beginnt. Das beeindruckende Schauspiel im Bergwald hat Beobachter, meist Jäger, schon seit jeher in seinen Bann gezogen. Eine Zeremonie der leisen Töne und imponierenden Bewegungen dieses großen Waldvogels, beginnend mit der vergehenden Nacht hin zur aufgehenden Sonne. Eine kurze Zeitspanne, allein und klar der Gesang, das Knappen und Schleifen in der beginnenden Dämmerung und dann sich einordnend ins größere Konzert des beginnenden Tages. Es sind diese erlebten Bilder, das dahinter stehende Geheimnis dieser Hahnenmorgen, die erlebten Geschichten, welche wir erzählen können, die uns an eine Wildart binden, mit ihr vertraut machen. Und uns in die Verantwortung nehmen, alles dafür zu tun, damit diese leisen Töne erhalten bleiben.

tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Auerwild Fruehling/F.Hafner2.jpgJEDER HAT SEINEN RAUM ...
Im Spätwinter setzt sich der Schnee, die Hahnen kommen wieder auf den Boden und rücken aus den (meist) umgebenden Wintereinständen nach und nach in das Zentrum des späteren Balzgeschehens. Die Balz beginnt. Die Balz? Nun, was in der Jägersprache allgemein während des Frühjahrs als "Balz" bezeichnet wird, teilt sich eigentlich in das Revier- oder Territorialverhalten der Hahnen und in die eigentliche Balz, die Zeit der Hennen am Balzplatz, deren Umwerben bis zum Tretakt. 
Daher bestimmt das Revierverhalten einen Großteil der Zeit, insbesondere jene vor der eigentlichen Balz. Das Ziel dieses Verhaltens ist die Verteidigung eines Reviers am Balzplatz, das wesentliche Mittel dazu ist das vielen Jägern bekannte Repertoir der Balz: Gesang, Flattersprünge und Kämpfe. Das Revierverhalten ist also klar gegen konkurrierende Hahnen ausgerichtet, die eigentliche Balz fokussiert sich dagegen auf die Hennen. Kommen die Hennen ins Spiel, so ändern die Hahnen ihr Verhalten und zeigen ihre charmante Seite. Drohgebärden kommen nicht mehr vor, die Hennen werden sanft und mit aller Kunst umworben. Ja, und höchste Kunst erlangt die Gunst! Die Mehrzahl der Hennen wird von einem Hahn, dem Haupt- oder Alphahahn getreten.
tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Auerwild Fruehling/Franz.Hafner.jpgBei den Hahnen, welche nach der frühmorgendlichen Baumbalz im Zentrum des Balzplatzes zu Boden gehen und dort kleinräumige Territorien beanspruchen, handelt es sich um mehrjährige Hahnen. Aber nicht alle (dominanten) Hahnen haben ihren Schlafbaum in unmittelbarer Nähe des Balzplatzes, sondern können aus einiger Entfernung heranstreichen. Zu berücksichtigen ist, dass sich während der Balz die Tageseinstände der Hahnen zwar um die Balzarena konzentrieren, das gesamt genutzte Gebiet dann aber noch eine Fläche von 10 bis 15 ha oder sogar mehr umfassen kann. Bei der Bodenbalz konzentrieren sich diese Hahnen dann normalerweise auf kleiner Fläche in der Balzarena. Vor allem junge Hahnen können sich im Laufe des Morgens erst verspätet (oder gar nicht) in Richtung Balzplatz (rand) aufmachen. Sie sind in jedem Fall auch während der Balz mobiler und können auf mehreren Balzplätzen auftauchen. Ortsveränderungen gilt es auch bei der Zählung zu berücksichtigen. Damit diese erfasst werden können sollte man bei einer Zählung entsprechend lange am Balzplatz bleiben. Die Anzahl der Hahnen an einem Balzplatz hängt naturgemäß von der vorkommenden Siedlungsdichte sowie von der Topografie und der Qualität des Lebensraumes ab. So liegen Balzplätze auch im Berggebiet meist in Bereichen mit geringerer Hangneigung wie Verebnungen, Hangschultern oder markanten Rückenlagen. Ein hoher Altholzanteil im Umfeld ist eindeutig förderlich. Von der Fortpflanzungsstrategie her ist die Balz des Auerwildes eindeutig auf Arena- bzw. Gruppenbalz ausgelegt. In steilem alpinen Gelände kann es jedoch vorkommen, dass etwa Hahnen einzeln entlang einer Höhenlinie balzen, meist so, dass sie untereinander noch (Hör-) Kontakt haben, in diesem Fall spricht man besser von einem Balzgebiet. Die Frage nach einer Definition eines Balzplatzes stellt sich vor allem in Gebieten mit abnehmender Hahnenzahl auf den Balzplätzen. In Randgebieten werden einzelne Hahnen unsteter, verlassen oft auch die vorher bestätigten Wintereinstände und suchen Balzplätze mit mehreren Hahnen auf. Umgekehrt gedacht: In Revieren mit guten Beständen wird die erwähnte Definitionsfrage kaum gestellt.

tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Auerwild Fruehling/fruehjahr_1.jpg... UND ALLES SEINE ZEIT
"Wenns Brandnale(1) kimmb, folzt da Hohn", heißt ein altes Jägersprichwort, oder, statt eines Zugvogels, auf die Vegetation bezogen, allerdings für das Haselhuhn: "Wenn die Birke schiebt wie ein Mäuseohr, spisst du jeden Hahn hervor." Diese Hinweise auf die jahreszeitliche Witterung tragen jedenfalls Wahrheit in sich (wenngleich derzeit vieles durcheinander zu geraten scheint), und die Balzaktivität kann sich je nach Witterung durchaus um ein bis zwei Wochen nach vorne oder hinten verschieben bzw. wechselnde Aktivitäten aufweisen. So kann der Beginn der Balz beim Auerwild mit etwa Anfang März angesetzt werden und dauert bis Ende Mai. Doch Achtung: auch hier ist das Territorialverhalten vom Balzverhalten bei der Anwesenheit von Hennen zu unterscheiden. Während sich die Aktivitäten zum Territorialverhalten zeitlich offensichtlich verschieben können, bleibt das Balzverhalten bei der Anwesenheit von Hennen innerhalb weniger Tage konstant. Um welche Zeit geht es dabei? Um die Zeit der Hochbalz, die berühmte "Hennenwoche" und die dabei zu beobachtenden Tretakte! So berichten mehrere exzellente Hahnenkenner (mit mehrwöchigen täglichen Beobachtungen am Balzplatz) von einem ersten Höhepunkt der Tretakte zwischen 22. und 26. April. Diese Tage waren Jägern auch schon lange bekannt, gibt es doch den überlieferten Spruch "Schießt du den Hahn vor St. Georgen (23.4.), kannst du das Treten selbst besorgen."
Doch die Beobachtungen zeigen in Kärnten ein weiteres, wichtiges Faktum eindeutig: Anfang Mai, etwa 14 Tage nach Beginn der Hochbalz, gibt es eine zweite Phase mit markanter Anwesenheit von Hennen am Balzplatz und beobachteten Tretakten. Der Zeitraum liegt zwischen 3. und 10. Mai und umfasst ca. ein Drittel der insgesamt beobachteten Tretakte (Auswertung langjähriger Aufzeichnungen von Graf Franz Meran durch Hubert Zeiler, mündliche Mitteilung Franz Hafner). Ungünstige Witterung spielt für diese Hennenanwesenheit keine entscheidende Rolle, es ergeben sich lediglich Verschiebungen von 2 bis 3 Tagen! Obwohl es für so manchen Jäger ärgerlich erscheint, erfüllt der Beginn der Bejagung mit 10. Mai mehrere Bedingungen: Die Bejagung konzentriert sich auf Kerngebiete mit noch guten Beständen und die wichtige Phase der Anwesenheit der Hennen mit Tretakten ist abgeschlossen und wird nicht gestört.
In jedem Fall ist es wichtig, in einem Gebiet (z.B. einer Talschaft) über die Situation des zusammenhängenden, regionalen Auerwildbestandes gut Bescheid zu wissen. Davon ausgehend sollte eine Bejagung erfolgen, vor allem aber sind die Gebiete für Lebensraumverbesserungsmaßnahmen ausgehend von einer Auerwildregion lokal festzustellen. Denn: auch aus Rändern können wieder Zentren werden.

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VERWENDETE LITERATUR:

◆ Klaus, S., Andreev, A.V., Bergmann, H.H., Müller, F., Porkert, J. & J. Wiesner (1989): Die Auerhühner. Neue Brehm Bücherei, Ziemsen Verlag.

◆ Zeiler, H. (2001): Auerwild – Leben. Lebensraum. Jagd. Österreichischer Jagd- und Fischereiverlag.

◆ Zeiler, H. (2013): Hahnenbalz und Frühjahrsjagd. In: Der Anblick 3/21013.

 

DI Thomas Huber
Raufußhuhnreferent