Auerwild im Herbst: vom Beerenklauben, Herbstbalz und Wintertrupps

Das "Auerwildjahr" geht dem Ende zu. Nach dem von der Sichtbarkeit her eher heimlicheren Sommer geht es in den Herbst und in den Winter. Im Herbst wird Auerwild häufiger gesehen – oder sind in dieser Zeit nur die Jäger aktiver? Ja, wie so oft, scheinen die Dinge doch irgendwie zusammenzuhängen!

...DIE JUNGEN GEHEN IHRER WEGE
Endet der Sommer, werden die jungen Auerhühner erwachsen, jedenfalls trifft das für die Hennen zu. Ab September ist eine Unterscheidung zwischen Alt- und Junghennen nicht mehr möglich. Anders bei den Junghahnen: diese sind zwar deutlich größer als ihre gleichaltrigen Schwestern, von den Althahnen aber aufgrund ihrer geringeren Größe und dem kurzen Stoß bis zur nächsten Mauser gut zu unterscheiden. In dieser Zeit löst sich auch das Gesperre auf, wobei sich die Junghahnen einige Wochen früher absondern. Die Hennen können sich noch bis Anfang Oktober bei der Mutter aufhalten. Bis in den Spätherbst hinein können durchaus noch kleine Familientrupps angetroffen werden, doch überwiegen die gleichgeschlechtlichen Gruppen. Herbst- und winterliche Gruppenbildung kommt auch bei den erwachsenen Vögeln vor, wobei für die Größe der Gruppen naturgemäß die Siedlungsdichte bestimmend ist.

... ABER VERLIEREN SICH NICHT
Die herbstliche Raumnutzung hat, wie zu anderen Jahreszeiten auch, viel mit Nahrungssuche und Sozialverhalten zu tun. Auerwild ist zu dieser Jahreszeit recht mobil. Der Grund liegt einerseits in der Auflösung der Gesperre in kleine Gruppen und mit dem damit verbundenen Selbstständig-Werden der Jungvögel.
Weiters werden von allen Altersgruppen besonders gute, vor allem beerenreiche Nahrungsplätze aufgesucht. Mit der Umstellung von einer im Sommer eher heimlicheren, wenig mobilen Lebensweise auf dem Boden zu einer „sichtbareren“, offenen Lebensweise auf den Bäumen werden auch die sozialen Kontakte erleichtert und es kommt eher zu der schon erwähnten Bildung der Wintergruppen. In den heimischen Revieren bestehen die Gruppen meist aus zwei bis drei Hahnen, wobei diese lichtere Bestände und Randbereiche aufsuchen, wogegen die Hennen etwas jüngeren und dichteren Aufwuchs nutzen und sich gleichmäßiger verteilen.

 

tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Auerwild Herbst/Karl.Tschernig.jpgBALZ IM HERBST
Die ersten kühlen Herbstmorgen lassen im Bergwald neben den Rufen der Hirsche auch leisere, feinere Laute an das kundige Ohr des Jägers dringen: das feine Spissen des Haselhahnes und das hölzerne Glöckeln des Auerhahnes. Während die Herbstbalz unserer Waldhühner dem territorialen Haselhuhn zur Verpaarung dient, erscheint das herbstliche Revierverhalten beim Auerhahn vorerst nicht so verständlich. Wie viele Jäger bestätigen werden, ist das herbstliche Balzen des Hahnes in Gebieten mit einigermaßen guten Beständen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Mehrheitlich werden dabei auch die gleichen Plätze aufgesucht wie im Frühjahr, es können aber auch andere Orte sein.
Auch Hennen erscheinen an den Orten des herbstlichen Revierverhaltens, doch unsteter und seltener als im Frühjahr. Dient das Ganze nur zur Unterhaltung des horchenden Hirschjagers und als Ode an den leiser und bunter werdenden Bergwald? Nun, die Herbstbalz fällt genau in die Zeit der Auflösung der Gesperre. Die Jungvögel werden selbständig und suchen freie Wohngebiete im Bereich des sommerlichen Aufwachsens oder wandern ab. Der herumstreifende Nachwuchs erhält so erste Informationen über die aktuellen Balzplätze und durch das Besetzen der (Balz)Territorien auch über die soziale Rangordnung der erwachsenen Hähne.

VON REIFEN BEEREN ZU KARGEN NADELN
Im Spätsommer und Frühherbst spielen Beeren, vor allem die Heidelbeere, in der Äsung des Auerwildes eine entscheidende Rolle. Aus Gründen des zuwachsenden Lebensraumes kommt Auerwild in immer höheren Lagen vor, nicht zuletzt deshalb hat auch die Preiselbeere eine wichtige Funktion in der Äsung, und das bis zu den ersten Frösten (Zuckergehalt!) auch später in den Herbst hinein. Hinzu können noch Wacholder-, Ebereschen- oder Vogelbeeren kommen, regional auch Früchte wie Bucheckern oder Zirbelnüsse.
Insgesamt jedoch geht ab Oktober der Anteil vielfältigerer grüner Pflanzenbestandteile stark zurück und es erfolgt die Umstellung auf die eher einförmige Baumäsung in der Form verschiedener Koniferennadeln, mit klarer Bevorzugung der Kiefer. Interessant ist das Äsungsverhalten der Junghähne: sie haben im Herbst erst 2/3 ihres Gewichtes erreicht und sind anders als die Altvögel und die bereits ausgewachsenen Junghennen weit stärker auf noch energetisch gute Äsung angewiesen: sie halten sich daher im Herbst zu deren Suche länger auf dem Boden auf und nehmen auch in den Monaten Oktober und November weit häufiger Insekten auf als Junghennen und Altvögel!

ES IST WEGEN DER FUCHSFEE ...
Mit dem Spätherbst kommt die Zeit der reifen Bälge und der hellen Nächte. Ja, die Bejagung des Fuchses ist ein Teil des Auerwildjahres, und ergänzend zu den Lebensräumen zu sehen. Doch: dem Fuchs nachstellen, ihn den ganzen Herbst zu erahnen, seine Silhouette, seinen Schatten, im Sinnieren und Träumen wie hingezaubert auf dem Schnee zu sehen, das darf man auch ohne einen Gedanken an das damit zu rettende Auerwild. Einfach so. Wegen dem Geheimnis der Fuchsfee. Wegen der stillen, wilden Nacht.

VERWENDETE LITERATUR:

  • Klaus, S., Andreev, A.V., Bergmann, H.H., Müller, F., Porkert, J. & J. Wiesner (1989): Die Auerhühner. Neue Brehm Bücherei, Ziemsen Verlag.
  • Zeiler, H. (2001): Auerwild – Leben. Lebensraum. Jagd. Österreichischer Jagd- und Fischereiverlag.

 

DI Thomas Huber
Raufußhuhnreferent

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