Auerwild im Sommer: Zeit der Jungenaufzucht und Mauser

WÄHREND DIE HAHNEN NOCH BALZEN ...
Erlauben wir uns einen kurzen Rückblick und folgen dem Geschehen nach der Balz. Was machen die Hennen, während die Hahnen nach dem Tretakt noch längere Zeit weiterbalzen? An sich wären es einige knappe biologische Daten, doch diese sind immer in Verbindung mit lokalen Faktoren zu sehen.
Auerhennen beginnen die Eiablage normalerweise wenige Tage nach der Paarung, der Zeitpunkt hängt jedoch vom Ernährungszustand der Henne ab. Frühere Ausaperung bedeutet auf Grund besserer Zugänglichkeit der eiweißreichen Nahrung auch eine frühere Eiablage. Im Schnitt werden 7-8 Eier gelegt, wofür die Henne etwa 11 Tage benötigt. Erst mit dem Ende der Eiablage beginnt die Henne zu brüten. Bis zum Schlüpfen der Küken dauert es rund 26 Tage. Kommt es zu einem frühen Gelegeverlust, kann es zu einer Nachbrut kommen, jedoch mit einer geringeren Anzahl an Eiern.
Wie alle Raufußhühner ist auch das Auerwild ein Bodenbrüter, die Nester werden gerne entlang von markanten Randlinien wie Bestandesrändern („Hennenschlagerl“) oder in der Nähe von Forststraßen angelegt; oft am Fuße eines Baumstammes oder bei Strukturen wie Wurzelstöcken oder Asthaufen. Die Henne verwendet keinen allzu großen Aufwand in die Nestgestaltung und dessen Tarnung. Manchmal können die Nester sogar erstaunlich gut einsichtig sein (Bild 1 und 2). Vor allem in den Bergen liegen die Nester auf Grund der Schneesituation (und Höhe der Vegetation als Schutz) oft deutlich tiefer als die Balzplätze.

tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Auerwild Sommer/Karl.Tschernig.jpgNESTFLÜCHTER, WÄRMELIEBEND UND WANDERLUSTIG
Auerwildküken sind wie alle Hühnervögel Nestflüchter. Schon nach wenigen Stunden sind die Küken auf den Beinen, allerdings bewegen sie sich in den ersten Tagen nicht weit vom Nistplatz. Doch für die folgenden zwei bis drei Wochen sind für Gesperre erstaunliche Wanderbewegungen bekannt, welche von Tagesverschiebungen von mehreren hundert Metern bis über einen Kilometer reichen. Diese Zeitspanne erhöhter Aktivität deckt sich mit dem Zeitraum, in welchem von den Küken bevorzugt Insektennahrung aufgenommen wird. Diese Nahrung wiederum scheint wichtig zu sein, um nach dieser Zeit die Körpertemperatur selbst aufrecht erhalten zu können. Auch die Flugfähigkeit über weitere Strecken wird nach etwa drei Wochen erreicht.
In den ersten Lebenswochen sind die Küken auf die Wärmezufuhr durch die Henne angewiesen und müssen immer wieder gehudert werden. Bei anhaltend schlechter - vor allem nasskalter - Witterung kommt eine Negativspirale in Gang: die Küken müssen häufiger gehudert werden, damit bleibt auch weniger Zeit um zu fressen. Weiters sind bei solcher Witterung auch die Insekten weniger aktiv, wodurch insgesamt weniger Nahrung zur Verfügung steht. Fazit: die Küken verklammen und verhungern bzw. können Raubfeinden leichter zum Opfer fallen. Dadurch kann es zu markanten Ausfällen kommen, wie es z.B. im Frühjahr 2013 in vielen Auerwildgebieten zu beobachten war.
Damit in Zusammenhang steht ein weiteres Faktum: Auerwildküken müssen über den Sommer möglichst schnell an Gewicht zulegen, um im Herbst ausgewachsen und für den Winter gerüstet zu sein. Dies gelingt den Hennen besser als den jungen Hahnen. Diese müssen, bedingt durch den starken Gewichtsunterschied zwischen Hahn und Henne, nahezu doppelt so schnell wachsen wie ihre weiblichen Geschwister und haben daher einen markant höheren Energiebedarf (bereits rund 30 % mehr im Alter von zwei Wochen!). Aus diesem Grund ist der Ausfall an männlichen Küken bei ungünstigen Lebensbedingungen insgesamt deutlich höher! Ein Umstand, der auch jagdlich zu berücksichtigen ist.

SOMMERLICHE FEINKOST
Während Auerwild im Winter weitgehend mit karger Nadeläsung auskommt, wird die Nahrung im Sommerhalbjahr sehr vielfältig. Hennen brauchen im Frühjahr zur Eiproduktion sehr eiweißreiche Kost, dazu werden z.B. Gräserblüten gerne genommen. Während des Sommers dominieren in der Nahrung des Auerwildes Triebe, Blätter, Gräser und verschiedene Blüten. Die jeweilige Zusammensetzung hängt naturgemäß von der Vegetation des Vorkommensgebietes ab. So werden z.B. Blätter und Triebe der Heidelbeere in kalkreichen Gebieten durch die Himbeere ersetzt. Für Jungvögel sind, wie bereits erwähnt, in den ersten Wochen Insekten wichtig, im weiteren Verlauf des Sommers nehmen Sämereien in der Nahrung zu. Der Anteil an Beeren kann stark schwanken, stärkere Bedeutung erlangen diese in höheren Lagen im Frühherbst. Dabei zählt die Heidelbeere unter den Zwergsträuchern eindeutig zur beliebtesten Kost des Auerwildes.

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ALLES MAUSERT SICH...
Der Sommer ist die Zeit der Mauser. Die Küken wechseln eigentlich laufend ihr Federkleid und müssen dabei darauf achten, trotz ihrer enormen Gewichtszunahme ihre Flugfähigkeit nicht zu verlieren. Zuerst wird das flaumige Daunenkleid gegen das Jugendkleid gewechselt, welches im Alter von einem Monat fertig ist. Ab dieser Zeit ist aufgrund des Gefieders eine sichere Unterscheidung der Jungvögel nach dem Geschlecht möglich. Der unmittelbar anschließende Wechsel des Jugendkleides ins Erwachsenenkleid erfolgt über den restlichen Sommer und dauert bis Ende September. Zu dieser Zeit ist auch das Wachstum der jungen Hennen abgeschlossen, und sie sind äußerlich nicht mehr von der Althenne zu unterscheiden. Anders die jungen Hahnen, die erst im dritten Jahr ausgewachsen und daher vor allem in ihrem ersten Lebensjahr von den Althahnen in der Größe unterscheidbar sind. Die Auflösung des Gesperres erfolgt ebenfalls im Frühherbst.
Die Mauser der Altvögel beginnt beim Hahn mit dem Ende der Balz (Ende Mai) und bei den Hennen mit dem Schlüpfen der Küken (Mitte Juni). Die Hauptmauser fällt bei beiden Geschlechtern in den Juli. Die Mauser des Auerwildes kann dazu genutzt werden, um Informationen über die Auerwildpräsenz im Revier zu bekommen. Dazu können am besten sonnige, warme Randlinien, wie Bestandesränder, Böschungen von Forststraßen, kleine Kahlschläge u.ä., vorsichtig nach Federn und Huderstellen abgesucht werden. Insbesondere über die bevorzugten Lebensraumstrukturen des Gesperres erhält man so gute Informationen.


... VERTEILT IM LEBENSRAUM
Über die Raumnutzung des Auerwildes im Jahresverlauf ist vor allem in unseren Berggebieten wenig bekannt. Doch soviel scheint sicher: Besonders die Hahnen wechseln von ihren Wintereinstands- bzw. Balzgebieten in Sommereinstände, wo vor allem die Mauser erfolgt. Die Winter- und Sommereinstände können durchaus mehrere Kilometer auseinanderliegen. Die weitere Verteilung der Hahnen macht gegenüber den kleineren Winter-/Balzeinständen auch Sinn, da sie für das Raubwild damit weniger berechenbar anzutreffen sind. Besonders auch in der Zeit der Mauser, in der die Flugfähigkeit teilweise eingeschränkt ist. Auch bei den Sommereinständen verhalten sich Hahnen sehr reviertreu und suchen über Jahre immer dieselben Gebiete auf.
Anders die Hennen. Diese sind im Sommerhalbjahr einerseits durch Brut und Aufzucht der Küken stärker ortsgebunden, nutzen ihren Lebensraum jedoch insgesamt deutlich flexibler als die Hahnen. Die allgemein weitere Verteilung des Auerwildes im Sommer wird auch von aufmerksamen Jägern immer wieder bemerkt.

 

VERWENDETE LITERATUR:

◆ Klaus, S., Andreev, A.V., Bergmann, H.H., Müller, F., Porkert, J. & J. Wiesner (1989): Die Auerhühner. Neue Brehm Bücherei, Ziemsen Verlag.

◆ Zeiler, H. (2001): Auerwild – Leben. Lebensraum. Jagd. Österreichischer Jagd- und Fischereiverlag.

DI Thomas Huber
Raufußhuhnreferent

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