Neue Hecken braucht das Land

Unbestritten haben sich die Lebensräume vieler heimischer Wildarten in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Gerade Niederwildbestände haben unter anderem durch die geänderte Bewirtschaftungsweise in der Landwirtschaft abgenommen. Die Landwirtschaft darf aber nicht von Haus aus verteufelt werden, denn zu bedenken ist, dass Arten wie Feldhase und Rebhühner ursprünglich von der Landwirtschaft starken Profit gezogen haben und erst durch die Tätigkeit der Bauern hohe Dichten in unserer Landschaft erreichen konnten. Die Intensivierung der Landwirtschaft ab den 1960er Jahren hat dann durch Arrondierungen (Vergrößerungen/Zusammenlegungen der Bewirtschaftungsflächen), Ausräumung der Landschaft und den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden zur erneuten Abnahme der Niederwildbestände beigetragen.

Um Niederwildbestände langfristig zu erhalten, ist es vielerorts notwendig geworden, ihnen unter die Arme zu greifen und Lebensräume entsprechend zu gestalten. Entschließt man sich lebensraumverbessernde Maßnahmen für eine bestimmte Niederwildart durchzuführen, ist einer der wichtigsten Punkte, diese im Revier genau dort umzusetzen, wo die Art auch vorkommt bzw. das Gebiet nutzt. Lebensraumgestaltende Maßnahmen müssen darauf abzielen, die Habitatansprüche der jeweiligen Art zu erfüllen bzw. zu verbessern.
Durch Stilllegungsflächen zwischen den bewirtschafteten Feldern oder durch (partielle) Untersaaten ist es möglich die Struktur innerhalb eines Feldes bzw. zwischen den Feldern abwechslungsreicher zu gestalten. Will man dem Niederwild und auch vielen anderen Arten nachhaltig helfen, sollte zusätzlich versucht werden auch dauerhafte Deckungselemente zu schaffen bzw. zu erhalten. Eine langfristige und äußerst effektive Maßnahme um die Diversität zu erhöhen ist das Anlegen von Hecken.

tl_files/jaegerschaft/2016/Februar/Wildoekologie/Hecken/josef.schnabl.jpgHECKEN
Hecken sind linienförmige Landschaftselemente und bestehen aus diversen Strauch- und unterschiedlichen Baumarten, bei denen die Entwicklung zum Wald hin durch regelmäßige menschliche Eingriffe verhindert wird. Hecken umfassen im Normalfall unterschiedliche Vegetationsstufen auf geringem Raum: von der Krautschicht bis hin zur Baumschicht, oftmals inklusive Totholz. Diese Strukturen haben ursprünglich zur Abgrenzung des Besitzes oder auch als Windschutz gedient und wurden oft zur Gewinnung von Brennholz genutzt. Heute weiß man, dass über 7.000 Tierarten in Hecken vorkommen bzw. davon profitieren können. In den letzten Jahrzehnten fielen Hecken allerdings vermehrt der Flurbereinigung zum Opfer, da sie der großräumigen einheitlichen Bewirtschaftung wortwörtlich im Wege standen. Mittlerweile werden Hecken aber als Landschaftselemente von diversen Programmen gefördert, da man ihre wichtige Funktion als Strukturbringer erkannt hat. Entschließt man sich eine Hecke anzulegen, ist zu bedenken, dass es einige Jahre dauert, bis sie ihre volle Wirkung zeigt. Es handelt sich um eine dauerhafte Form der Bodennutzung und es wäre sinnlos, die Hecke bereits nach wenigen Jahren wieder zu roden.
Für die Qualität einer Hecke ist weniger ihre Länge ausschlaggebend als vielmehr die Verzahnung mit anderen Strukturbringern, sowie die Heckenbreite. Viele kurze, aber nicht zu schmale Hecken sind zur Erhöhung der Diversität weit effektiver als eine lange, schmale Hecke. Bewährt haben sich Heckenbreiten von 8 bis 15 Metern, wobei verzweigte oder parallel geführte Hecken sich besonders positiv auswirken.
Auch begleitende Elemente wie zusätzliche Stauden, Altgrassäume und Brachen erhöhen den Wert einer Hecke, da neben dem zusätzlich geschaffenen Raum dort auch kein Herbizid- und Insektizideinsatz zu erwarten ist, der sich negativ auf Hecken auswirkt.
Der Wert einer Hecke steigt mit der Vielfalt der verwendeten Sträucher und Bäume. Am besten orientiert man sich bei der Heckengestaltung bzw. Auswahl der Sträucher an den lokal vorkommenden Arten. Nadelholz sollte nicht für die typische Ausgestaltung der Hecke herangezogen werden – wenn überhaupt nur einzelne Individuen in die Hecke einbauen. Bei der Auswahl der Bäume und Sträucher sollten die Standortfaktoren Klima, Wind, Beschattung, Licht, Verbissdruck und Bodenqualität berücksichtigt werden.

PFLANZUNG EINER HECKE
Dies ist die wohl häufigste Form der Heckengestaltung. Hecken können sowohl im Frühjahr als auch im Herbst gepflanzt werden. Im Herbst kann früher Frost den Pflanzerfolg gefährden, trockene Witterung ist die größte Gefahr bei der Pflanzung im Frühjahr. Der Pflanzabstand sollte nicht zu groß ausfallen und bei Sträuchern in etwa 1 x 1 m, bei Bäumen etwa 2 x 2 m betragen. Gleichzeitig sollen auch Lücken innerhalb der Hecke bestehen bleiben, d.h. zwischen den Strauch- bzw. Baumgruppen immer wieder grasige bzw. krautreiche und besonnte Stellenbelassen. Die Hecke sollte in Hinblick auf die verwendeten Pflanzenarten eine hohe Diversität aufweisen, grundsätzlich empfiehlt es sich jedoch immer Gruppen einer Art zu pflanzen. Nur stark wachsende Arten sollten am besten einzeln eingebracht werden. Hecken zeichnen sich durch ein strukturiertes Höhenrelief aus, darum bei der Anlage Bäume und Sträucher unterschiedlicher Wuchshöhe kombinieren, wobei Bäume nicht mehr als ¼ der Gehölzpflanzen ausmachen sollten. Nadelholzarten dürfen keinesfalls dominieren. Einzelne Nadelbäume können jedoch insofern von Nutzen sein, da sie als immergrüne Gehölze den Schnee effizient abhalten und damit auch im Winter für trockeneren Boden sorgen können. In den ersten Jahren sollten die gepflanzten Gehölze unbedingt freigemäht werden. Durch das regelmäßige "Auf-den-Stocksetzen" einzelner Heckenteile wird die Diversität weiter erhöht und dadurch die – durch Lichtmangel eintretende – Vegetationsverarmung im bodennahen Bereich verhindert.
Vor allem in rehreichen Gebieten empfiehlt es sich neu angelegte Hecken in den ersten Jahren für das Wild sichtbar zu zäunen, da das Unterfangen ansonsten durch Verbiss und Fege schnell scheitern kann. Natürlich kann man auch mit Einzelschutz arbeiten, was den Vorteil hat, dass die Fläche von größeren Wildarten von Anfang an genutzt werden kann und entsprechende Deckung bietet.

DIE BENJES HECKE:
Eine recht einfache und kostengünstige Möglichkeit eine Hecke anzulegen stellt die Benjes Hecke dar. Das bei der Baum- und Strauchpflege anfallende Astwerk wird zur Anlage dieses Heckentyps verwendet. Diese Äste werden in einer Breite von etwa 4 m und einer Höhe von etwa einem Meter aufgeschichtet. Diese Struktur wird sehr schnell von diversen Tierarten angenommen. Bis jedoch daraus eine „Hecke“ im ursprünglichen Sinne entsteht, dauert es allerdings einige Jahre. Die Vorteile einer Benjes Hecke sind die geringen Kosten, eine jahreszeitunabhängige Anlagemöglichkeit und die automatische Entwicklung einer standortgerechten Vegetation, da die Vögel, die diese Struktur im Normalfall von Anfang an intensiv nutzen, entsprechendes Samenmaterial mit ihrem Kot einbringen.
Es besteht auch die Möglichkeit diese Benjes-Methode mit einer gepflanzten Hecke zu kombinieren. Das ausgebrachte Astwerk bietet dann zum einen Deckungsfunktion für kleine Tierarten, zum anderen aber gleichzeitig Zaunfunktion für größere Schalenwildarten wie etwa Rehe, um den Verbiss einer frisch gepflanzten Hecke in Grenzen zu halten. Natürlich ist es auch möglich Hecken zu säen. Zu berücksichtigen ist, dass es dann entsprechend dauert, bis eine Hecke entsteht.

MÖGLICHE FEHLER BEI DER HECKENANLAGE:
Für die Anlagen von Hecken gibt es bei entsprechender Berücksichtigung obiger Faktoren eigentlich keine völlig ungeeigneten Standorte, auf denen eine Hecke nicht aufkommen würde. Wichtig ist es, heimische Gehölzarten zu verwenden. Zu berücksichtigen ist, dass der Wert einer Hecke beträchtlich sinkt, wenn sich in unmittelbarer Nähe eine asphaltierte Straße befindet, da dadurch Straßenfallwild gefördert und jegliche positive Absicht zunichte gemacht werden kann.
Die Anlage von Hecken wird durch die Kärntner Jägerschaft im Rahmen des Förderprogrammes "Wildökologische Maßnahmen" unterstützt. Nähere Informationen dazu finden sich auf der Homepage der Kärntner Jägerschaft unter dem Menüpunkt Formulare/Ökomaßnahmen.

Mag. Gerald Muralt
Wildbiologe der Kärntner Jägerschaft

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