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Das Jägerbegräbnis

Die Kärntner Jägerschaft hat ein Interview mit Frau Claudia Haider zum Thema "Jägerbegräbnis" durchgeführt.

KJ: Immer wieder taucht die Frage auf: Wie verhält sich der Jäger brauchtumskonform beim Jägerbegräbnis?
C. H.:
Vorweg, Brauchtum soll zum Brauchen sein und muss daher als dynamischer Prozess immer wieder den Gegebenheiten angepasst werden; so auch das Verhalten und das Auftreten der Jäger beim Jägerbegräbnis.

Also, ein Trauerfall tritt ein ...
C. H.:
Dann ist der erste Schritt, den HRL zu verständigen, und dieser nimmt Kontakt zur Trauerfamilie auf und spricht das Beileid der Kärntner Jägerschaft aus. Er klärt, ob ein Jägerbegräbnis gewünscht wird. Diesen Schritt kann in einer Jagdgesellschaft der Obmann oder der Jagdleiter übernehmen.

Die Familie wünscht ein Jägerbegräbnis ...
C. H.:
Dann hat als nächsten Schritt der HRL oder Obmann der Jagdgesellschaft die Mitglieder des Hegeringes zu verständigen. Ein Kranz der Jägerschaft mit grüner Schleife ist zu besorgen.

Was ist vor dem Begräbnis noch zu bedenken?
C. H.:
Der HRL oder Obmann der Jagdgesellschaft trägt Sorge, dass das offene Grab mit Reisig ausgelegt ist und die Trauerbrüche in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Welche Holzart eignet sich als Trauerbruch?
C. H.:
Es sollte die Fichte, Zirbe, Latsche oder Tanne ausgewählt werden. Der Trauerbruch wird, wie auch der Fest-, Ehren- und Standesbruch, auf der linken Hutseite getragen.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Trauerbruch und den anderen Brüchen?
C. H.:
Der Trauerbruch wird immer mit der Nadelunterseite nach außen getragen. Daher schlage ich auch die Tanne vor, da ihre Unterseite gut erkennbar ist. (Dreispross).

KJ: Am Tag des Begräbnisses ...?
C. H.:
... sammeln sich die Jäger am Einsegnungsort und stecken den Trauerbruch auf den Jägerhut und nehmen an der Aussegnung in der Leichenhalle teil. Danach drücken die Jäger den Hinterbliebenen ihre Anteilnahme aus und sammeln sich an der Spitze des Trauerzuges zum Friedhof/Kirche.

Was soll hier beachtet werden?
C. H.:
Die Jäger gehen im Trauerzug und falls jagdliche Auszeichnungen des Verstorbenen vorhanden sind, kämen diese auf einen Samtpolster an der Spitze der jagdlichen Abordnung. Zwei Jungjäger tragen den Kranz der Jägerschaft im Trauerzug, die ebenfalls an der Spitze des Zuges Aufstellung nehmen. Der Sarg kann von einer Ehrenwache, bestehend aus vierJägern, begleitet werden. Im Trauerzug gehen die Jäger möglichst im Gleichschritt und bilden vor der Kirche ein Spalier, durch das sich der Trauerzug mit dem Sarg bewegt. Hat der Sarg das Spalier passiert, nehmen die Jäger Aufstellung.

Eine oft diskutierte Frage ist, ob die Jäger in der Kirche den Hut aufbehalten.
C. H.:
Ich meine, dass Brauchtum brauchbar sein muss, und daher schlage ich Folgendes vor: Wenn die Jäger in Formation stehen – was ja meist der Fall ist – bleibt der Hut auf dem Kopf. Gleiches gilt für Jagdhornbläser, die in der Kirche Aufstellung nehmen. Setzen sich aber einzelne Jäger in die Bankreihen, würde ich empfehlen, den Hut abzunehmen, um den Dahintersitzenden die Sicht auf den Altar nicht zu erschweren. Weiters wird der Hut bei der Einsegnung am Grab und bei der Übergabe des Trauerbruchs abgenommen (die Bläser blasen "Jagd vorbei – Halali").

Welche Musikstücke schlagen sie vor, wenn eine JHBG anwesend ist?
C. H.:
Beim Auszug aus der Einsegnungshalle ein getragenes Stück, eventuell aus einer Messe, die ja jede JHBG im Repertoire hat. Am offenen Grab, wenn der Sarg hinuntergelassen wird, folgt "Jagd vorbei – Halali". Bei der Übergabe des letzten Bruches ins Grab kann "Auf Wiedersehen" geblasen werden.

Wann spricht der Vertreter der Kärntner Jägerschaft?
C. H.:
Nach der Einsegnung, den Fürbitten, dem Vaterunser und dem Schlussgebet des Pfarrers sprechen die Grabredner. Der Vertreter der Kärntner Jägerschaft sollte der letzte Sprecher sein. Es wird vorgeschlagen, dass bei Funktionären des Landesausschusses der LJM, bei HRL und Funktionären des Bezirkes der BJM und bei Mitgliedern des Hegeringes der HRL oder Obmann spricht. Die Ansprache soll nicht weitläufig sein, sondern den Verstorbenen als Jäger würdigen. Am Ende lässt der Redner dem Verstorbenen den letzten Bruch ins Grab folgen. Die Bläser intonieren "Auf Wiedersehen". Alle anwesenden Jäger übergeben jetzt den Trauerbruch. Die Jäger nehmen den Hut mit der rechten Hand ab, lösen mit der linken Hand den Bruch aus dem Hutband, legen ihn auf den Hut und kippen diesen dann ins Grab. Nach dieser Verabschiedung, bei der noch "Weidmannsheil" gesagt werden kann, gehen die Jäger in loser Reihenfolge ab und setzen den Hut wieder auf.

KJ: Wohin kommt der Bruch bei einer Feuerbestattung?
C. H.: Hier wird am Ende der feierlichen Zeremonie der Bruch auf den Sarg oder in dessen Nähe gelegt.

Darf der Jäger seinen Hund mitnehmen?
C.H.:
Im Allgemeinen gilt: Hunde gehören nicht auf einen Friedhof. Ist der Verstorbene jedoch Hundeführer gewesen, können – wenn gewünscht – durchaus zwei Hundeführer in der Jägerabordnung mitgehen und das Spalier mitbilden.

Im Zusammenhang mit dem Jägerhund gibt es ja einen Brauch ...
C. H.:
Ja. Ist das Leben eines Jägers erloschen, kümmern sich die nächsten Verwandten um den Toten und jemand anderer füttert den Hund, auch wenn zum Beispiel der Tod bei Nacht eintritt, und zwar um zu zeigen, dass der Hund als Helfer und treuer Gefährte auch beim Heimgang seines Herrn keinen Mangel erleiden muss.

Gibt es sonst noch etwas Wesentliches zu beachten bei einem Begräbnis?
C. H.:
Jägerbegräbnisse sind Anlässe, wo wir Kärntner Jäger unser Brauchtum leben. Ausgedrückt durch unsere jagdliche Kleidung, unsere Jagdmusik und unsere Bräuche rund ums Jägerbegräbnis, stehen wir im direkten Kontakt mit der nichtjagenden Bevölkerung. Durch unser uraltes Brauchtum ist es uns möglich, den Situationen Würde und Respekt zu verleihen und unsere Ehrerbietung auszudrücken. Da auch Kameradschaft großgeschrieben wird, kümmert man sich nach dem Begräbnis noch um die Trauerfamilie.

Frau Haider, wir danken für das Gespräch!

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